Montag, 24. November 2008

Anleitung für ein Rokoko-Jäckchen





Anleitung für ein Rokoko-Jäckchen

Jäckchen dieser Art wurden im 18.Jh. von den Frauen aus den arbeitenden Schichten getragen, im angelsächsischen Raum waren sie als „Short Gowns“ bekannt, für den deutschen Gebrauch kenn ich leider keine spezielle Benennung, deswegen spreche ich einfach von „Jacke“

Der Schnitt richtet sich meines Wissens nach keinem erhaltenen Original sondern nimmt nur die Art der Konstruktion auf, die man von verschiedenen Originalen kennt, dafür dass es damals eine Jacke gab, die exakt so geschnitten war wie diese hier kann ich also keine Garantie übernehmen.

Jedenfalls ist sie sehr einfach zu nähen. Da die Jacke die hier genäht habe ein Theaterkostüm ist, habe ich alles per Maschine genäht und erkläre das auch entsprechend.

Der Stoffverbrauch ist relativ gering – damals war Stoff ja sehr teuer, und man sparte an allen Ecken und Enden. Zweimal die Länge sollten bei einem Stoff von 140-150cm genügen, also etwa 1,1 bis 1,2 Meter.

Der Schnitt den ich hier nachgezeichnet habe ist nur ein Anhaltspunkt.



Messe zunächst deinen Brustumfang aus addiere ca. 4cm und teile das Ergebnis durch vier.
Dann messe deinen Oberarmumfang und addiere ca. 5cm.

Nun nimm ein Stück Papier das groß genug ist und messe am rechten Rand zweimal die Länge der Jacke von der Schulter bis zum Saum ab. Das sollten ca. 55-60cm sein.
Dann ziehe auf der „Schulterhöhe“ einen rechten Winkel nach links, hier in hellgrün gezeichnet.
Unter und oberhalb dieser Linie zeichnest du jeweils eine Parallele mit dem Abstand des halben Armumfangs (also haben die beiden Parallelen den Abstand des gesamten Armumfangs zueinander)
Zu dem rechten Rand des Papiers ziehst du eine Parallele im Abstand des Viertelsbrustumfang.
Die eben gezeichneten Linien verbindest du jeweils mit einem schönen Bogen.
Den Halsausschnitt kannst du ganz nach Geschmack gestalten. Am besten du schneidest ihn erstmal kleiner aus, damit du ihn dann später entsprechend ausschneiden kannst (dranschneiden geht ja nicht mehr ;)
Der seitliche Keil hat eine Schenkellänge von etwa 16cm.
Die Ärmellänge kann von Ellbogenlang für die Mitte des 18.Jh. bis Handgelenklang für das späte 18.Jh. variieren.

Nun schneidest du das ganze Teil aus, die vordere, bzw. hinter Mitte im Stoffbruch.
Nahtzugaben musst du natürlich noch ergänzen.
Eventuell müssen die Ärmel angestückelt werden, meist reicht aber die Stoffbreite aus.

Dann schneidest du die vordere Mitte auf.
Nun wird der seitliche Keil eingesetzt und die Seiten, bzw. Ärmelnaht geschlossen. Danach alles sauber ausbügeln
Natürlich beides bei Futter und Oberstoff.






Nun probierst du die Jacke zum ersten mal an und kannst den Halsausschnitt gegebenen Falls vergrößern und die Ärmel eventuell enger machen. Wenn du Änderungen vornimmst musst du sie natürlich bei Futter und Oberstoff geleichermaßen nähen.


Wenn alles passt werden Oberstoff - und Futterjacke rechts auf rechts gezogen und die Kanten des Halsausschnitts, der vorderen Mitte und des Saumes verstürzt. Dann wendest du alles auf rechts und bügelst es sauber aus.



Die Ärmelsäume werden nun genäht, je nach Wunsch mit der Maschine oder per Hand.
Dann müssen an die vordere Mitte die Haken und Ösen genäht werden und zwar immer versetzt auf beiden Seiten Haken und Ösen, das hält besser.



Für den nächsten Schritt brauchst du entweder eine Schneiderpuppe die deiner Figur gut entspricht oder einen Helfer oder viel Geduld und Spucke ;)
Die Abnäher im Rückenteil müssen nämlich gesteckt werden.
Markiere die hintere Mitte mit Stecknadeln oder einem Heftfaden.
Wende die Jacke auf links und ziehe sie an, wenn du einen Schnürleib darunter tragen willst, musst du den natürlich anziehen.
Nun lasse deinen Helfer drei Abnäher stecken, die ungefähr gleiche Größe haben sollten, einen in der hintern Mitte und je einen links und rechts davon, damit die Jacke auf Figur kommt.
Hier muss man etwas herumexperimentieren um herauszufinden wie eng man sie stecken kann - du willst dich hinterher vermutlich darin noch bewegen können und auf der anderen Seite auch nicht aussehen als hättest du einen Kartoffelsack an ;)
Die Abnäher sollten etwa auf Taillenhöhe aufhören und "springen" dort auf.

Nun ziehe die Jacke wieder aus und mach dir mit Schneiderkreide Markierungen wo deine Abnäher verlaufen, gleiche sie gegebenen Falls aus und gib ihnen einen geraden Verlauf.



Nun nähe die Abnäher gemäß deiner Markierungen.


Nun musst du die Abnäher nurnoch ausbügeln - den mittleren "auf dem Kopf" und die beiden äusseren zur Mitte hin - und sie mit ein paar Stichen fixieren, damit sie nicht herumschlabbern.



Et voila:







Leider hab ich kein Foto mit "Inhalt" denn mir ist die Jacke zu groß, das sah doof aus...

Kommentare:

  1. Dankeschön für die ausführliche Anleitung! :)
    Da bekommt man direkt Lust zum Nachnähen...

    Bin gespannt, was sich hier weiter so alles tun wird. In diesem Sinne ganz herzlich Willkommen im "Blogiversum"! :)

    Liebe Grüße,
    Lily

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  2. Huhu!

    Toll, dass du jetzt auch bloggst!!! Herzlich Willkommen!!!

    Das Jäckchen gefällt mir sehr gut! So würde ich sogar ins Büro gehen! Danke für die ausführliche Anleitung und ich werde bestimmt regelmäßig vorbeischauen!!!

    Viele liebe Grüße, die Honigbärenbiene Vanessa

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  3. Hallo zusammen,
    ja ich konnte es auch nicht lassen ;)
    Schön, dass euch die Anleitung gefällt, ich hoffe ich hab alles verständlich geschrieben.
    Über Nachgenähtes würde ich mich natürlich sehr freuen!!

    Grüße
    Cécile

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