Dienstag, 9. Dezember 2014

Druckfrisch (nicht ganz)

Dieses Projekt wollte ich schon lange hier vorstellen, wollte aber erst auf Fotos "am lebenden Objekt" warten, die bis jetzt aber noch nicht vorhanden sind.

Im späten 18.Jh. tauchen auf Modekupfern und Gemälden für die Tagesmode immer wieder bedruckte Cravaten/Halstücher für den modischen Herren auf. Solch ein Tuch wollte ich schon lange reproduzieren hatte aber nicht den rechten Elan und wie's der Zufall wollte kam ich im Frühling dieses Jahres auf der "Nadelwelt"-Messe in Karlsruhe am Stand von http://www.blauweisschen.de/ vorbei. Dort wurden exakt die Druckmodel feilgeboten die ich brauchte und ausserdem erhielt man auch eine kompetente und freundliche Einweisung. Ich war so begeistert dass ich mich kaum Entscheiden konnte welche Motive ich erwerben sollte.
Ich schließlich wurde es eine Ranke, eine kleine Blüte und ein Zweiglein. Dazu kaufte ich gleich noch die Druckfarbe in klassischem blau.
Das Drucken mit den Holzmodeln braucht etwas Übung und mit dem Tuch aus Batist hatte ich mir wohl auch nicht gerade den dankbarsten Stoff herausgesucht, aber ich finde für einen ersten Versuch kann es sich sehen lassen.
Auf der Puppe habe ich es als Fichu drappiert, damit man das Muster besser sehen kann, eigentlich ist es aber dazu gedacht als Halstuch von einem Herren getragen zu werden.






Since long I wanted to show this project, but I wanted to wait until I got pictures of it while it is worn, they aren't existing yet, but now I'm writing about it anyway.

In the late 18th century you can find printed kerchifs/cravats for gentlemen for daywear on various fashionprints and paintings. I wanted to recreate such a cravate since long but I never got the right elan for it until I bumped into the stall of http://www.blauweisschen.de/ at the "Nadelwelt" craftfair in Karlsruhe this spring. There they sold exactly the stamps I needed and you got a very professional and friendly introduction into this technique. I was so enthiusiastic, I could hardly decide what printing blocks to buy. 
In the end I choose a twine, a little blossom and a twigg. I also bought the classical blue colour.
Printing with wooden blocks needs a bit of experience and with the batist fabric I didn't had the easiest fabric to handle, but I think for a first trial it's ok.
On the dressstand I draped it like a fichu, so that the pattern can be seen better, but it is intendet to be worn as a cravate by a gentleman.

Freitag, 5. Dezember 2014

Gerade noch rechtzeitig...

Gerade noch rechtzeitig ist die "Nancy Horsefall"- Babydecke fertig geworden. Für jemand anderen als ursprünglich geplant ;)
Die Rechtschreibfehler und das falsche Wort (eigentlich müsste es heißen "Holy angels guard thy bed") sind vom Original übernommen.
Hier der Anfang des Projekts, der immerhin schon über zwei Jahre zurück liegt: http://mmedujard.blogspot.de/2012/10/a-new-patchwork-project.html





Just in time I finished the "Nancy Horsefall" babyblanket. Now it is for somebody else than initially planned ;)
The spelling mistakes and the wrong word (it should be "Holy angels guard thy bed") are taken from the original.
Here are the beginnings of the project - 2 years ago: http://mmedujard.blogspot.de/2012/10/a-new-patchwork-project.html

Freitag, 21. November 2014

Andere Umstände

Eigentlich hätte ich diesen neuen Schnürleib garnicht gebraucht, aber da sich die Gelegenheit nunmal ergab wollte ich herausfinden ob die originalen Schnürleiber die oftmals als "wahrscheinlich Umstandsschnürleib" tutuliert werden, tatsächlich als solche funktionieren und tragbar sind, da dies bisweilen angezweifelt wird.

Also habe ich mich an das Schnittmuster aus "Corsets" von Jill Salen gehalten, zufällig ließ es sich sehr leicht auf meine Figur abwandeln. Ich hoffe ich kann es auch noch in Zukunft tragen, dann eben mit vollständig geschlossenen Seitenschnürungen.

Er besteht aus zwei Lagen Baumwolle, einer Aussenlage aus Seidendamast, einem Futter aus Leinen, versteift ist es mit Peddigrohr und einigen Stahlstäben, eingebunden ist es mit Leder.

 Actually I didn't need this pair of stays but as I had the oportunity I wanted to find out if the extant stays that are often labeld as "probably maternity stays" would work in reality.

So I did recreate the pattern from Jill Salen's "Corsets". It happend to be quite easily to adapt for my figure.
I hope I will be able to wear it still in the future, just with closed side lacings.

It is made of two layers of cotton an outer layer of silkdamask and a linnen lining, boned with reed and some steel and leather binding.





Mittwoch, 7. Mai 2014

A "telescope dress"

 Vor etwa zwei Jahren nähte ich dieses Kleid und ein sehr breite Panier ganz im Stil der 1740er. Leider hatte ich bis dato keine Gelegenheit es zu tragen. Nun fand im April eine kleine Zusammenkunft von Freunden statt die auf das Jahr 1749 festgelegt wurde und endlich durfte das schöne Stück aus echtem Seidendamast raus aus dem Schrank. Leider war das Panier nicht ganz geeignet für die Räumlichkeiten und so besann ich mich auf einen Trick, den man in Janet Arnold's "Pattern of fashion 1" sehen kann. In den Seitenteilen des Kleides sind Zugtunnels eingenäht, mit deren Hilfe man es "einfahren" kann. Somit hatte ich ein zwar weniger pompöses, aber dafür der Geselligkeit zuträglicheres Kleid.
Der adrette Herr neben mir trägt übrigens einen Banjan aus dem gleichen Stoff.

Two years ago I had sewn this 1740's style dress and a very large panier. Unfortunatelly I didn't had any opportunity to wear it yet. But this april we had a little gathering which was set in the year 1749, and so this lovely piece of silkdamask could leave my wardrobe at last. Alas, the panier was to broad for the location and so I thought of a trick that you can see in Janet Arnold's "Pattern of fashion 1". Drawstringcases in the sidepannels! With their help you can draw in the width. So I had a dress less ostentatious but more appropirate for conversation and dance.
The smart gentleman at my side is a dear friend and wears a banjan made of the same fabric.
 

 Mehr Bilder der Veranstaltung / More pictures of the event:

http://munichrococo.blogspot.de/2014/04/zeilitzheim-1749.html
http://hertzwerk-freiburg.blogspot.de/2014/04/zeilitzheim-1749-lauberge-et-les-salons.html#comment-form

Dienstag, 28. Januar 2014

Goldstickerei oder broderie en rapport


Nach dem Appetithäppchen kommen nun endlich handfestere Bilder.
Ich bin dabei Goldapplikationen zu sticken die einmal auf einen Just-au-corps sollen. Im 18.Jh. nannte man das "broderie en rapport" die konnte man beim Sticker seines Vertrauens fertig erwerben und dann damit ein fertiges Kleidungsstück verzieren. Leider kann man heutzutage nicht mehr in den Laden spazieren und sich ein Motiv aussuchen und darum heißt es "selbermachen"!

After the little teaser I will now show you more substatial photos.
At the moment I'm making goldwork that shall be appliquèd to a just-au-corps one day. In the 18th century it was called "broderie en rapport", you could buy this ready-made a the embroiderer and then embellish a finished garment with it. It's  a pity that today you can't just walk into a shop and buy something like this, and therefore I have to diy.


Zunächst habe ich ein Motiv freihand gezeichnet und dann mit Kreidepapier auf Seidentaft übertragen. Die Aussenkonturen habe ich zweimal mit Japanseide nachgestickt. Mit der Japanseide hab ich nicht direkt gestickt sondern sie aufgelegt und mit einem Seidenfaden aufgestickt.

First I have freehand drawn a motiv after a painting and then traced it with chalkpaper to silktaffeta. The outsidelines I embroidered twice with couched japansilk .



Danach habe ich zwei Flächen mit Plättlahn ausgefüllt. Der Lahn wird auf der rechten Seite im engen Zickzack gelegt und jeweils in der "Ecke" mit einem Stich gesichert.

After that I filled two areas with plate. The plate is applied to the right side of the fabric in a zickzack pattern and only the "turns" are secured with a stitch of silkthread.


Nun kommt der arbeitsinensivste Teil, die Bouillionstickerei. Dafür muss erstmal eine Wattierung unterlegt werden, die größeren Flächen habe ich mit Wollfilz unterlegt die kleinen nur mit einigen Stichen gedoppeltem Seidenfaden bestickt. Der Filz muss etwas kleiner als die zu bestickende Fläche sein und an den kanten etwas abgeschrägt geschnitten werden damit nacher alles schön rund und organisch aussieht und keine harten Ecken bekommt. Danach stickt man mit den Bouillionfäden wie mit Perlen, nur mit dem Unterschied, dass man den Bouillion selbst in der gewünschten Länge zuschneiden muss, das kann recht knifflig sein, denn man ist allein auf sein Augenmaß angewiesen.

Now comes the most labourintensive part. The cantilles. Therefore you first need a padding, the bigger parts I padded with woolfelt the smaller I only padded by making some stitches with doubbled silkthread. The felt has to be a bit smaller than the actual motiv and the edges should be cut a bit round so that it all looks organic and there are no ugly angles. The cantilles are used like beads except you have to cut them to the needed size, this is quite fiddly because you only can rely on your visual judgement.

Zum Schluss wird alles noch mit Pailletten verziert, um sie zu halten wird ein kleines Stückchen Bouillion aufgefädelt.

At last everything is embellished with spangles, to hold them in place a tiny piece of cantille is threaded with them.




Montag, 20. Januar 2014

Bling Bling!

... ein kleines Appetithäppchen...

... just a little teaser...


Dienstag, 19. November 2013

Was ist ein Just-au-corps - oder warum es im 18. Jahrhundert keine Gehröcke gab

Zeitgenössische historische Bezeichnungen können verwirrend sein, vor allem bei Kleidungsstücken, wenn sie dann auch noch in der modernen Sekundärliteratur anders genannt werden ist die Verwirrung komplett.
Da mir aufgefallen ist dass auch viele erfahrene Re-Enactor und Kostümer durcheinander kommen wenn es um die, mal neutral gesprochen, Herrenoberbekleidung des 18.Jh. geht möchte ich hier versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Diese Erklärungen sind nicht in Stein gemeißelt! Auch ich kann mich mal irren und in der damaligen Zeit waren solche Bezeichnungen nicht genormt.

Contemporary terms can be confusing especially with garments, if they are called different in modern secondary sources. I recognized that even longtime re-enactors and costumers get confused with all this names and so I try to untangle this a bit.

Ich beziehe mich hier nur auf die Zeit Mitte des 18.Jahrhunderts.
I refer only to mid 18th century in this case.

Was ist also ein Just-au-corps? Dieser Begriff wird in der Szene arg strapaziert, man könnte meinen alles was Ärmel und Schäße hat müsste ein solcher sein, aber dem ist natürlich nicht so. Ein Just-au-corps hat an der gesamten Vorderkante Knöpfe bzw. Knopflöcher, er hat keinen Kragen, in der hinteren Mitte hat er Falten und entlang des hinteren Schlitzes laufen Zierknopflöcher, auch auf den Taschen und Taschenklappen hat er (Zier)Knopflöcher.
Das können locker über 50 Knopflöcher werden und die sind lang, richtig lang!

So, what is a just-au-corps? In the scene this term is so widely used that you could think everything with two sleeves and some pleats is one, but of course it is not that simple. A just-au-corps has buttons and buttonholes all along the centerfront, it has no collar and in the center back it has additional pleats and nonfunctional buttonholes from the waist to the hem. It also has nonfunctional buttonholes on the pocketflaps and cuffs. It can easily have over 50 buttonholes and these are quite long!



Hat ein ähnliches Kleidungsstück nun einen Umlegekragen und die Knöpfe nur bis zur Taille bzw. in der hinteren Mitte zwar zusätzliche Falten aber nur vier bis sechs Zierknopflöcher spricht Garsault ("L'art du tailleur" 1769)  von einem Surtout. Hier scheint es aber fließende Übergänge zu geben, so sieht man auch viele der Beschriebenen Röcke ohne Kragen.

A similar garment with a collar and with buttons and buttonholes only to waistlevel, with pleats next to the centerback but with only four to six buttonholes there is, according to "L'art du tailleur" by Garsault , called a Surtout. There seem to be garments that are only partly like this (like the example below) I don't know if they also had a distinct name.


 In vielen heutigen Quellen der Kostümkunde wird behauptet, der Frack wäre eine Weiterentwicklung des Just-au-corps. Dem möchte ich widersprechen, denn es gab beide bereits zeitgleich, Herr Garsault beschreibt den "Frock" oder "Fraque" bereits 1769 und auch schon zuvor gab es ihn in England.
Sein Charakteristikum ist dass die Falten entlang der hinteren Mitte ganz fehlen und dort nur ein Schlitz oder ein kleiner Übertritt ist, auch er hat einen Kragen.

In many modern sources they say that the frock had developed from the just-au-corps, but I want to disagree with this because they existed parallel. In 1769 France Garsault already describes it and in England it was fashionable even earlier. It's charcteristic is the lack of pleats in the centerback instead it has just a slit or a small overlap and it has a collar.