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Samstag, 22. September 2012

Leibrock und Weste ca. 1760

Nach einer längern Pause melde ich mich nun wieder zurück und kann auch gleich sagen, dass dies der erste von mehreren Beiträgen sein wird, der vielleicht für den ein oder anderen recht interessant sein könnte.

After a long break I'm now back and want to say that this will be the first of several postings that maybe is of some interest to you.


Anfang des Jahres war hatte ich das große Glück im Hamburgmuseum einige originale Kleidungsstücke des 18.Jh. untersuchen zu dürfen. Nocheinmal ein ganz großes Dankeschön an Frau Hildebrandt der Textilrestauratorin des Museums, dafür dass sie das ganze möglich gemacht hat!

Earlier this year I was so lucky to be allowed to examine some original clothes of the 18th century in the Hamburgmuseum. Again, I want so say thank you to Mrs. Hildebrand the textileconservator of the museum for making this possible.

Das erste Stück das ich hier vorstellen möchte ist ein Leibrock mit passender Weste aus der Zeit um 1760:
The first piece that I want to show is a suit coat with matching waistcoat from around 1760:






Oberstoff:
feines, stark gewalktes Wolltuch, leinwandbindig
Futterstoffe:
Leib: köperbindiges Streichgarngewebe (oder Wolle/Leinen-Mischgewebe), teilweise gefärbt Ärmel: mittelgrobes leinwandbindiges Leinen
Knöpfe:
Metall mit Gravur
Maße:
Rückenlänge gesamt: 104 cm, Rückenlänge bis Schlitz 50 cm, untere Rückenbreite (Knopf zu Knopf) 25 cm
Verarbeitungsdetails:
Alle äusseren Kanten des Wollstoffs wurden offen verarbeitet, teilweise etwas aufgeribbelt.
Aussenkanten wurden mit winzigen Vorstichen genäht
Oberstoff und Futter wurden seperat angefertigt, nur in den Ärmeln wurden die Nahtzugaben teilweise aufeinander fixiert.
An den Vorderkanten wurde ein 5 cm breiter Verstärungsstreifen unterlegt er wurde im Abstand von 4 cm zur Kante festgenäht.

Fabric:
fine milled wool, plain weave
Lining:
Body: twillweave worsted (maybe a wool/linnen mix), partly dyed, sleeves: plainweave linnen, medium-coarse
Buttons: 
Metall, engraved
Measures:
Backlength 104 cm, Backlength to slit 50 cm, lower back width (button to button) 25 cm
Construction details:
All outer edges of the wool are raw, partly they are a bit unraveled.
Outer edges sewn with tiny runningstitches
Fabric and lining were made up seperately only within the sleeves seam allowances are partly fixed together.
Inside the front edge, a 5 cm broad strip is sandwiched between fabric and lining, it is stitched to the topfabric 4 cm from the edge.






 

Montag, 11. April 2011

Eine Sonntagsschürze

Da ich gerade eine sehr hübsche Garderobe für eine einfache Frau Mitte des 18.Jh. für jemanden nähe, möchte ich einige der Bestandteile hier vorstellen und gleich auch eine kleine Anleitung zum Selbernähen mitliefern. Because I'm currently sewing a nice wardrobe for a mid-18th century common woman for somebody, I want to show off here some of the parts and make some how-to's. Und hier ist das erste Stück: die Sonntagsschürze  And here is the first part: the sunday's apron.




Der Schnitt ist sehr eng an dem Original aus dem Buch "Costume close-up" orientiert, der ist allerdings zusammengestückelt und das habe ich weggelassen.

The pattern is very closely to the original from "costume close-up", but this one is pieced and I did omit this.

Zunächst habe ich den Latz zugeschnitten und ringsherum schmal gesäumt, mit überwendlichem Stich.

First I did cut the bib and did make a small hem all around with overcast stitch.




Dann wurde der Rockteil gesäumt hier aber nur die Seiten und die Unterkante. An der oberen Kante muss man in der Mitte quasi das Gegenstück zu der Schneppe des Latzes einschneiden (habe leider kein Foto gemacht...)

Than the skirt has been hemed but only the sides and the bottom. On the top edge you have to cut out a wedge as a counterpart to the bib's tip (sorry, I didn't make a photo)


Dann näht man an der Oberkante zwei Reihen von Vorstichen zum Einkräuseln. Dann kommt das Taillenband an die Kante, hier muss man jede Falte mit einem überwendlichen Stich fassen.

Zum Schluss wird dann der Latz auch mit überwendlichen Stichen an den Rockteil genäht.


Than you sew two lines of running stitches on the top edge for shiring. Than the waistband is sewn to the edge, you have to catch every pleat with an overcaststich on both sides.

At last the bib will be sewn to the waistband, also with overcast stitches.

Mittwoch, 29. September 2010

Period sewing: the regency frock coat

Because I was asked in the last time by several friends about how to sew a frockcoat with authentic sewing techniques I thought it would be good to turn this into a blog-entry so that all the information and photos will not be lost.

Da ich in letzter Zeit von verschiedenen Freunden über die authentische Verarbeitung von Fräcken der Empire-Zeit gefragt wurde, dachte ich es wäre sinnvoll daraus einen Blogeintrag zu machen, damit die Informantionen und Bilder nicht irgendwann verschwinden.

First I want to say, that I don't claim to know everything and if someone has better sources and knowledge, please let me know! I always want to learn!

Zunächst möchte ich sagen, dass ich keineswegs behaupten will alles zu wissen und wenn jemand bessere Quellen und mehr Wissen hat, so lasst es mich bitte wissen, denn ich will ständig dazulernen!

It seems to me, that in the period arround 1800 there were dramatical changes in the art of tailoring. An 1790's frock that I saw was still completely lined but another one with seemed to be from 1805-1810 in the same museum was madeup completely different. You can also see the manner of sewing in the book "19th century fashion in detail" from the V&A and in this
excellent essay by Suzi Clarke about regency frocks that can be found here:
www.vintageconnection.net/RegencyCoats.htm

Es scheint als ob in der Zeit um 1800 große Änderungen in der Kunst der Herrenschneiderei gegeben hat.
Ein Fraque aus den 1790ern den ich gesehen habe war immernoch komplett gefüttert, aber ein anderer aus der Zeit um 1805-1810 im selben Museum war schon auf eine ganz andere Art gemacht. Man kann diese Verarbeitung sehr schön in dem Buch "19the century fashion in detail" vom V&A-Museum sehen und in diesem exzellenten Artikel von Suzi Clarke über Empire-Fräcke:
www.vintageconnection.net/RegencyCoats.htm

In this manner of tailoring only the sleeves were lined, with linnen like in the 18th century, the body was unlined, or at least the back, it has only a facing arround the neck, the front has a complete facing of fabric it did cover the sidepleats, wich were sewn completely closed, in the 18th cent. it was only closed with some decorative buttons, so that one could stick the smallsword between the pleats, in the early 19th century the pleats were so far back, that you couldn't place your smallsword there anyway and they weren't worn anymore in everyday fashion, expect for court occations.

Bei dieser Art von Verarbeitung waren nur die Ärmel wirklich gefüttert, mit Leinen wie im 18. Jh., der Rumpf war ungefüttert, oder zumindest der Rücken, der hat nur einen Beleg um den Nacken, das Vorderteil hat einen Beleg aus Oberstoff der es völlig abdeckt und der auch die Seitenfalten bedeckt, die komplett zugenäht wurden. Im 18.Jh. wurden sie nur mit dekorativen Knöpfen geschlossen, sodass man den Degen zwischen den Falten hindurchstecken konnte, im frühen 19.Jh. waren die Falten so weit im Rücken, dass man den Degen dort garnicht mehr hätte tragen können, ausserdem hat man im Alltag sowieso keinen mehr getragen, nurnoch zu höfischen Anlässen.

The lappels and the coller were interfaced and stabstiched (I suppose with horsehair interfacing or stiff linnen, I don't really know)
The edges weren't sewn with "point rabattre" anymore but with extremely tiny runningstitches just some millimeters away from the edge.
Also the buttonholes were made with minute stitches and they should be beautiful from both sides, because one should be able to wear the frock buttoned close or open.

Das Revers und der Kragen hatten eine Einlage und waren pikiert (ich denke mal die Einlage war aus Rosshaar oder Steifleinen, aber ich weiß es nicht wirklich)
Die Kanten wurden nicht mehr mit dem "Point rabattre" genäht, sondern mit extrem kleinen Vorstichen die gerade einige Millimeter von der Kante entfernt waren.
Auch die Knopflöcher wurden mit superfeinen Stichen genäht, sie sollten von beiden Seiten gleich schön sein, denn man sollte den Frack ja offen oder geschlossen tragen können.

On the black frock I unfortunatelly did a fault, the facing does not cover the pleats...

Hier habe ich einen dummen Fehler gemacht, der Beleg deckt die Falten nicht ab... bei den neueren Fräcken habe ich das aber natürlich schon ausgemerzt ;)

Here I did also line the upper back, because the material was quite thin and I thought it needed a bit more stability.
Hier habe ich auch den oberen Rücken gefüttert, weil das Material recht dünn war und ich dachte es könnte etwas mehr Stabilität vertragen.


The middle-back parts have a self-facing.


The buttons and curved edges are only fancy, they






Mittwoch, 15. September 2010

Period sewing

Heute morgen hatte ich eine kleine aber vielleicht nützliche Idee zum Vereinfachen der zeitgenössischen Nähtechniken des 18.Jh.


This morning I had a small but maybe usefull idea about simplifying 18th century period sewing-techniques.


Ich ließ das Schnittmuster einfach auf dem Stoff aufgesteckt und konnte so - da es aus etwas festerm Papier ist die Nahtzugabe ganz bequem um die Stoffkante herumbügeln und hatte sozusagen eine Schablone. Man muss natürlich aufpassen, dass man die Stecknadeln nicht mitbügelt.
Dann wird das ganze umgedreht und man bügelt die Kante des anderen Schnittteils entsprechend dem anderen um - hier hat man natürlich nicht den schönen "Schabloneneffekt" aber man hat die andere Seite als Anhaltspunkt und braucht kein Lineal oder Maßband.

I used a pattern without seamallowance, left it on the fabric after cutting and so could use it as a kind of template while ironing the edges to the left side. One has to be carefull of course not to touch the pins. Than you turn it round and iron the other sides edges, this time you don't have that nice "template-effect" but you have the upper side as a guide and don't need a ruler.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Ärmel

So, erstmal vielen Dank für die vielen lieben Rückmeldungen :) (z.B. per PN)
Da macht es noch mehr Spaß hier zu schreiben!

Nun kommt hier wie versprochen eine Anleitung für die im 18.Jh. übliche Verarbeitung von Nähten.

Dies ist eine Art Ärmel zu verarbeiten, auch im 18.Jh. gab es mehr Optionen, aber diese ist sehr typisch und auch für unsere modernen Sehgewohnheiten hübsch und sauber.

Der Ärmel wird aus Oberstoff und Futter (üblicherweise Leinen) gleichermaßen ausgeschnitten, man sollte schon ein Probestück gemacht haben um sicher zu gehen, dass er auch wirklich passt, denn ihn nachher noch abzuändern würde ziemlich aufwändig.

Nun muss man an die Saumzugabe des Oberstoffs auf die linke Seite umbügeln, hierbei ist es geschickt, wenn man eine Zugabe von nur 1cm hat, denn sonst kann es sehr knifflig werden, bei einem stark gebogenen Saum muss man einknipsen.


Nun legt man das Futter links auf links auf den Oberstoff, die Oberkante und die Seitenkanten müssen möglichst bündig sein. Beide Lagen werden nun zusammengesteckt und am Besten auch noch geheftet, die Heftnaht sollte gut 3cm von den Kanten entfernt sein.




Nun muss die Saumzugabe des Futters gegen die des Oberstoffes geschlagen werden, also die Saumzugabe nach links umgeknickt, damit beide Saumzugaben aufeinander liegen.
Dabei sollte der Saum des Futters etwas weiter hinten liegen als der des Oberstoffs.
Das Futter wird mit Stecknadeln festgesteckt.


Nun näht man diesen Saum mit dem sog. "Point Rabattre" dafür gibt es leider keine Übersetzung. Der Stick sieht innen aus wie ein überwendlicher Stich, der um die Futterkante geht, aussen aber wie ein Vorstich. Man näht also eigentlich überwendliche Stiche, sticht aber entgegen der heutigen Technik absichtlich auf die rechte Seite durch und macht auf der rechten Seite einen kleinen Vorstich.
(Bei Gelegenheit werde ich ein kleines Video dazu machen, das kann ich aber nicht alleine ;)

Auf einer Seite muss man den Saum offen lassen, so ca. 3 cm.

Nun wird die Seitennaht genäht, hier werden drei Lagen auf einmal verarbeitet.


Der Oberstoff wird rechts auf rechts gelegt, eine Seite des Futters wird mitgefasst, die andere weggeklappt.



An der Oberkante jedoch fasst man die ersten ca. 3cm das Futter nicht mit und näht nur die beiden Oberstofflagen.


Zum Schluss bügelt man die Nahtzugaben in Richtung der noch offenen Futterkante und schlägt man die Nahtzugabe der verbleibenden Futterkante nach innen, natürlich auch an dem noch offen Teil des Saumes. An den oberen 3cm darf man den Oberstoff beim Anstaffieren (mit überwendlichem Stich) nicht mitfassen.



Wenn man den Ärmel nun einnähen will, dann näht man nur den Oberstoff in das Kleidungsstück und klappt danach das Futter dagegen und näht es mit überwendlichen Stichen an. Danach kann man dann natürlich die Heftstiche entfernen.

Diese Technik habe ich leider nicht aus der Primärliteratur sondern von erhaltenen Originalen darauf geschlossen, in dem Buch "Costume close-up" ist diese Technik beschrieben, Originale bei denen das so gemacht ist durfte ich auch schon begrabbeln.

Upcycling mal anders oder aus zwei mach eins

The marriage of two dresses Im November 2015 waren wir eingeladen zu einer herrlichen Veranstaltung in einem wirklich grandiosen Gebäude...