Freitag, 2. März 2018

Upcycling mal anders oder aus zwei mach eins

The marriage of two dresses
Im November 2015 waren wir eingeladen zu einer herrlichen Veranstaltung in einem wirklich grandiosen Gebäude in bester Gesellschaft. In das Jahr 1775 sollte gereist werden und da ich schon länger nicht mehr in diesem Jahrzent unterwegs war hatte ich ein kleines Problem. Meine Lieblings-Francaise hätte stilistisch zwar auch als Abendgarderobe getaugt, aber frau will ja auch mal wieder was neues und da ich schon seit langem keine Polonaise mehr getragen hatte wollte ich gerne wieder eine haben. Die beiden „Polonaisen“ (ja ich weiß sie sind es nicht im eigentlichen Sinne) die bei mir im Schrank hängen passten mir beide nicht mehr und da ich nicht ausreichend Zeit hatte um eine neue zu nähen und auch nicht so viel in Stoffe investieren wollte entschied ich mich für ein upcycling-Projekt.



In November 2015 we were invited to a great event in a grandious building and in the best company. It was a timetravel to 1775 and as I hadn‘t reenacted this period since longer, I had a slight problem. My favourite francaise would have fitted in the style, but I wanted something new. I hadn‘t worn a polonaise since long and liked to have one again. The two „polonaises“ (yes, I know they aren‘t polonaises in the true sense of the word) didn‘t fit me anymore and as I hadn‘t got enough time to sew new a entire new one and didn‘t wanted to invest a lot of money I decided to make it an upcycling-project.

Als Basis nahm ich eines meiner frühsten Werke, das schon schon 12 Jahre auf dem Buckel hatte, die fliederfarbene Polonaise, die mir leider nicht mehr passte. Von dem Stoff gab es absolut keine Reste mehr, also überlegte ich, wie eine Schneiderin im 18. Jahrhundert das Problem gelöst hätte. Natürlich mit Anstückeln! Sie sollte also in der vorderen Mitte zusätzliche Streifen bekommen, die dann mit Rüschen kaschiert werden.

As a base I used one of my earliest works that was already 12 years old than, the lavender Polonaise, that did not fit me anymore. I had absolutely no single scrap of that fabric left and so I thought about how an 18th century dressmaker would have solved the problem. With piecing of course! So it would get addtitional strips in the center front that would be hidden under ruches. 

Als zweites Element wollte ich ein etwas ungeliebtes Kleid verarbeiten, eine Robe der frühen 1790er die ich auf die Schnelle genäht hatte und die ich nicht richtig anpassen konnte, zum einen weil sich mein Körper noch konstant veränderte (ja, die kleine Dame auf meinem Arm ist meine Tochter), ich keinen festen Schnürleib tragen wollte, da ich meine Tochter stillte und eben sie mir auch nicht viel Zeit zum Nähen ließ. Wie gesagt, es war mit der heißen Nadel genäht und das Ergebnis gefiel mir nicht sonderlich. Mit dem Oberteil ließ sich nicht mehr viel Anfangen, ich trennte es einfach ab und verpasste dem Rockteil ein Bündchen. Da ich von diesem Stoff noch Reste auf Lager hatte konnte ich hieraus die Rüschen am Oberteil machen und damit auch eine optische Verbindung von beidem schaffen.

The second element I used was a unloved dress. I had made that early 1790s robe in a hurry and had no chance to really fit it. One reason was that my body was in constant change (yes the little Lady on my arm is my daughter), the other was that I didn't want to wear full stays, because of breastfeeding my dauther and she was it who would also let me have not much time for sewing. As I said it was made in a rush and the result didn't please me very much. The bodice wasn't of any use, so I unpicked it from the skirt and made this in to a petticoat by attaching a waistband. I had scraps of this fabric left and so I could use them for the ruches on the robe, which also created an optical connection to them.








That's me back in 2003!
The unloved robe, worn by a tired but happy mom



Mittwoch, 20. Januar 2016

Knöpfe! Buttons!

Ich melde mich mal wieder ganz kurz aus der Versenkung, da ich hier unbedingt auf den Shop einer Freundin hinweisen möchte die Reproduktionem von ganz außergewöhnlichen Knöpfen des 18.Jahrhunderts anbietet. Motivknöpfe wie diese waren der letzte Schrei in den 1770ern bis 90ern:

This is only a quick lifesign from me, I just wanted to share the shop of a very talleted friend, who makes reproductions of extraordinary 18th century buttons. Painted buttons like these were the dernier cri in the 1770s to 90s:

Flying Colours



Mittwoch, 29. Juli 2015

The does and donts of Rococo styling

Ich werde oft gefragt „Du sieht soooo historisch aus, wie machst du das nur?“ Nun, auszusehen als wäre man geradewegs aus einem Gemälde gestolpert geht ein bisschen darüber hinaus „nur“ die richtigen Schnittmuster und Stoffe zu verwenden. Man kann ein historisch ordentliches Kleid nähen und das Gesamtbild trotzdem durch das falsche Styling verderben. Aber das kann man umgehen, wenn man sich an ein paar einfache Regeln hällt.
DISCLAIMER: Wenn du einfach Spaß am Verkleiden hast, Cosplayer, Larper oder ähnliches bist, dann steht es dir natürlich völlig frei wie du deinen Look ausgestaltest, dieser Post richtet sich primär an alle die gerne einen historisch korrekten Gesamteindruck vermitteln wollen.

People often tell me „you look so period, how do you manage that?“ Well looking really as you had stepped out of a painting goes a bit beyond using the right patterns and fabrics. You can make a pretty historical accurate dress and then spoil the whole effect with the wrong styling. And you could avoid this just by following some very simple rules.
DISCLAIMER: If you just like dress-up, are a cosplayer, larper etc. you are of course completely free how to style your costume, this post is thought for those who are aiming a historical correct look.

Ich habe hierzu mal eines meiner Kleidchen angezogen und so ziemlich alles „falsch“ gemacht was man üblicherweise falsch machen kann.
Dass die Perücke im ersten Bild indiskutabel ist, das dürfte auch dem ungeschulten Auge auffallen.

Therefore I have put on one of my dresses and made virtually every „mistake“ you can usually make.
That the wig I‘m wearing on the first pic is ehm.... you should even see if you are not an expert.
 

Nehmen wir sie also ab und frisieren das Eigenhaar....
Wo liegen hier nun die Fehler? Eine kleine Auflistung:
-Seitenscheitel
-Haube unmotiviert irgendwo im Nacken
-Modernes buntes Make-up
-Moderner Strassschmuck
-Kurze Spitzenhandschuhe
-Keine Strümpfe
-Irgendwelche Schuhe
-Keine Chemise

So, let‘s put it aside and make a hairdo....
Where are the mistakes? A little list:
-sideparting
-cap worn unmotivated somewhere at the back head
-modern colourful make-up
-modern rhinestone jewlery
-short lace gloves
-no stockings
-any shoes
-no chemise





Und hier nun noch das Gegenbeispiel:

-die Haare sind passend frisiert (zugegeben, das erfordert etwas Übung)
-die Haube sitzt wesentlich weiter oben
-das Gesicht ist blass geschminkt die Lippen und Wangen rosig
-als Schmuck wird ein Rüschenband getragen -  noch schöner wäre ein breites oder schmales SCHWARZES Seidenband mit oder ohne Anhänger
-ellbogenlange fingerlose Handschuhe (ja, die sollten eigentlich auch einen Tick länger sein) Handschuhe mit fingern gehen natürlich auch, aber bitte aus Leder oder Stoff, keinesfalls aus Polyesterspitze
- was man nicht sieht, ich trage natürlich Seiden- oder Baumwollstrümpfe und passendes Schuhwerk (z.B. zu Beziehen hier: für den kleineren Geldbeutel empfehle ich reenactors oder etwas teuerer hier in den USA bei American Duchess handgemacht hier in England bei Sarah Juniper oder in Tschechien bei Miroslav Umlauf
-ausserdem ist das Decoltée verdeckt, bzw. eingerahmt durch ein Fichu, gefunden im Trödelladen, wer nicht das Glück hat ein passendes zu finden kann sich mit Baumwollbatist oder Gaze behelfen
-ein kleines Sträusschen aus Seidenblumen ( gefunden hier: Gildebrief ) ist ein charmanter Farbtupfer 

And here is the counterexample:

-the hair is styled in a period manner (well, this needs a bit of training)
-the cap is on top of the head
-the face is painted in a pale colour, lips and cheeks rosy
-around the neck a ruffle - it would be even better to wear a black ribbon, broad or narrow, with or without pendant
-ellbowlength mittens (well they should be a bit longer ;) ) gloves are correct too, but please made of fabric or leather not of polylace
-what you can‘t see here, I wear stockings made of cotton or silk and matching shoes (you can get them here: pretty cheap if you life in Europe at reenactors or a bit more expensive in the US American Duchess handmade in Britain by  Sarah Juniper or handmade in the Czech Republic by Miroslav Umlauf
-also the neckline is covered with a fichu, I found it at a thriftstore, if you aren‘t so lucky you can use cotton batist or gaze instead
-a little bouquet of silkflowers is a charming contrast (found here:  Gildebrief)

 
 

Ich hoffe ich konnte hier die ein oder andere Inspiration geben!
I hope I could give the one ore other inspiration!

Donnerstag, 23. April 2015

Ein Ballkleid für 1800

Letztes Wochenende durfte ich einem wunderbaren Ball beiwohnen (sollte es bald öffentlich zugänglic Fotos geben so werde ich sie nachreichen). Das Datum war 1800 und für mich hieß das, dass ich ein neues Kleid brauchte.
Zum Glück fand ich einen Modekupfer der mich der Mühe überhob ein komplett neues Ensemble zu fertigen. Ein Überkleid und Turban genügten in diesem Fall um ein vorhandenes Kleid aufzupeppen.
Bei der Kopfbedeckung ließ ich mir etwas Freiheit, da ich den Federstutz irgendwie ziemlich albern fand ;)

Quelle: http://www.photo.rmn.fr/C.aspx?VP3=SearchResult&IID=2C6NU0B25ACW
 
Last weekend I had the chance to join a wonderful ball (if there will be any public pics I will post them) It was set in 1800 and that meant I needed a new gown.
Fortunatelly I found a fashion plate that made it unneccessary to sew an entire ensemble. An overgown and turban were suficcient to dress up an old gown.
With the headdress I took some freedom, just because I thought this feather thingy too silly ;)

Und heute gibt‘s mal was historische bei RUMS

Montag, 12. Januar 2015

Mehr Details

Wie versprochen zeige ich nun noch mehr Details des Fracks aus dem Hamburgmuseum. Die Taschen sind recht interessant, denn unter den Taschenklappen verbirgt sich - nichts. Die eigentlichen Taschen sind in die Seitenfalten eingearbeitet. Die Naht unter der Taschenklappe dient keiner schnitttechnischen Notwendigkeit, sie entstand wohl weil das Kleidungsstück mindestens einmal umgearbeitet wurde.

According to my promise I show some more pictures of details of the frock coat from the Hamburgmuseum. The pockets are quite interesting, underneeth the flaps you can see - nothing. The pockets themselves are worked into the side pleats. The seam under the pocketflaps has no real funktion, it might be due to at least one big makeover that happened to the garment.


 Ein Blick auf das Innenleben darf natürlich nicht fehlen. Man sieht gut, dass für die Partien die unsichtbar bleiben ein viel gröberer Stoff gewählt wurde.

And a glimpse of the inside. You can clearly see that the parts that would be hidden are made from a much coarser material.






Donnerstag, 8. Januar 2015

...he wore a blue coat...

Ein klitzekleiner Verweis auf Jane Austen, denn als ich diesen blauen Frack im Hamburgmuseum (vielen Dank an Frau Hildebrandt, die es möglich machte!) untersuchen durfte, musste ich unwillkürlich an Mr. Bingley denken. Die Urversion des Romans wurde ja bereits 1797 vollendet und in genau diese Zeit gehört dieses elegante Kleidungsstück wohl.

A little hint to Jane Austen... because when I was allowed to examine this blue frock in the Hamburgmuseum (a big thank you to Mrs. Hildebrandt who made it possible!), I had to think of Mr. Bingley. The first version of the novel was finished in 1797 and this elegant garment fits exactly into this period.



Das erste Detail, dass ich hier zeigen möchte sind die schlichten und  trotzdem edlen Knöpfe, die mit sehr viel Aufwand gefertigt wurden. Nicht einfach gegossenes Metall, sondern eine Art Folie mit der eine Basis bezogen wurde. Aus was diese Basis gefertigt wurde, konnte ich leider nicht wirklich ausmachen, ich gehe aber von Holz aus.

The first detail that I want to show, are the plain but elegant buttons that were made with a lot of effort. Not just cast metall, but a kind of foil that was put on a base. I couldn't really make out the material of the base, but I think it is wood.



Dienstag, 9. Dezember 2014

Druckfrisch (nicht ganz)

Dieses Projekt wollte ich schon lange hier vorstellen, wollte aber erst auf Fotos "am lebenden Objekt" warten, die bis jetzt aber noch nicht vorhanden sind.

Im späten 18.Jh. tauchen auf Modekupfern und Gemälden für die Tagesmode immer wieder bedruckte Cravaten/Halstücher für den modischen Herren auf. Solch ein Tuch wollte ich schon lange reproduzieren hatte aber nicht den rechten Elan und wie's der Zufall wollte kam ich im Frühling dieses Jahres auf der "Nadelwelt"-Messe in Karlsruhe am Stand von http://www.blauweisschen.de/ vorbei. Dort wurden exakt die Druckmodel feilgeboten die ich brauchte und ausserdem erhielt man auch eine kompetente und freundliche Einweisung. Ich war so begeistert dass ich mich kaum Entscheiden konnte welche Motive ich erwerben sollte.
Ich schließlich wurde es eine Ranke, eine kleine Blüte und ein Zweiglein. Dazu kaufte ich gleich noch die Druckfarbe in klassischem blau.
Das Drucken mit den Holzmodeln braucht etwas Übung und mit dem Tuch aus Batist hatte ich mir wohl auch nicht gerade den dankbarsten Stoff herausgesucht, aber ich finde für einen ersten Versuch kann es sich sehen lassen.
Auf der Puppe habe ich es als Fichu drappiert, damit man das Muster besser sehen kann, eigentlich ist es aber dazu gedacht als Halstuch von einem Herren getragen zu werden.






Since long I wanted to show this project, but I wanted to wait until I got pictures of it while it is worn, they aren't existing yet, but now I'm writing about it anyway.

In the late 18th century you can find printed kerchifs/cravats for gentlemen for daywear on various fashionprints and paintings. I wanted to recreate such a cravate since long but I never got the right elan for it until I bumped into the stall of http://www.blauweisschen.de/ at the "Nadelwelt" craftfair in Karlsruhe this spring. There they sold exactly the stamps I needed and you got a very professional and friendly introduction into this technique. I was so enthiusiastic, I could hardly decide what printing blocks to buy. 
In the end I choose a twine, a little blossom and a twigg. I also bought the classical blue colour.
Printing with wooden blocks needs a bit of experience and with the batist fabric I didn't had the easiest fabric to handle, but I think for a first trial it's ok.
On the dressstand I draped it like a fichu, so that the pattern can be seen better, but it is intendet to be worn as a cravate by a gentleman.

Freitag, 5. Dezember 2014

Gerade noch rechtzeitig...

Gerade noch rechtzeitig ist die "Nancy Horsefall"- Babydecke fertig geworden. Für jemand anderen als ursprünglich geplant ;)
Die Rechtschreibfehler und das falsche Wort (eigentlich müsste es heißen "Holy angels guard thy bed") sind vom Original übernommen.
Hier der Anfang des Projekts, der immerhin schon über zwei Jahre zurück liegt: http://mmedujard.blogspot.de/2012/10/a-new-patchwork-project.html





Just in time I finished the "Nancy Horsefall" babyblanket. Now it is for somebody else than initially planned ;)
The spelling mistakes and the wrong word (it should be "Holy angels guard thy bed") are taken from the original.
Here are the beginnings of the project - 2 years ago: http://mmedujard.blogspot.de/2012/10/a-new-patchwork-project.html

Freitag, 21. November 2014

Andere Umstände

Eigentlich hätte ich diesen neuen Schnürleib garnicht gebraucht, aber da sich die Gelegenheit nunmal ergab wollte ich herausfinden ob die originalen Schnürleiber die oftmals als "wahrscheinlich Umstandsschnürleib" tutuliert werden, tatsächlich als solche funktionieren und tragbar sind, da dies bisweilen angezweifelt wird.

Also habe ich mich an das Schnittmuster aus "Corsets" von Jill Salen gehalten, zufällig ließ es sich sehr leicht auf meine Figur abwandeln. Ich hoffe ich kann es auch noch in Zukunft tragen, dann eben mit vollständig geschlossenen Seitenschnürungen.

Er besteht aus zwei Lagen Baumwolle, einer Aussenlage aus Seidendamast, einem Futter aus Leinen, versteift ist es mit Peddigrohr und einigen Stahlstäben, eingebunden ist es mit Leder.

 Actually I didn't need this pair of stays but as I had the oportunity I wanted to find out if the extant stays that are often labeld as "probably maternity stays" would work in reality.

So I did recreate the pattern from Jill Salen's "Corsets". It happend to be quite easily to adapt for my figure.
I hope I will be able to wear it still in the future, just with closed side lacings.

It is made of two layers of cotton an outer layer of silkdamask and a linnen lining, boned with reed and some steel and leather binding.





Mittwoch, 7. Mai 2014

A "telescope dress"

 Vor etwa zwei Jahren nähte ich dieses Kleid und ein sehr breite Panier ganz im Stil der 1740er. Leider hatte ich bis dato keine Gelegenheit es zu tragen. Nun fand im April eine kleine Zusammenkunft von Freunden statt die auf das Jahr 1749 festgelegt wurde und endlich durfte das schöne Stück aus echtem Seidendamast raus aus dem Schrank. Leider war das Panier nicht ganz geeignet für die Räumlichkeiten und so besann ich mich auf einen Trick, den man in Janet Arnold's "Pattern of fashion 1" sehen kann. In den Seitenteilen des Kleides sind Zugtunnels eingenäht, mit deren Hilfe man es "einfahren" kann. Somit hatte ich ein zwar weniger pompöses, aber dafür der Geselligkeit zuträglicheres Kleid.
Der adrette Herr neben mir trägt übrigens einen Banjan aus dem gleichen Stoff.

Two years ago I had sewn this 1740's style dress and a very large panier. Unfortunatelly I didn't had any opportunity to wear it yet. But this april we had a little gathering which was set in the year 1749, and so this lovely piece of silkdamask could leave my wardrobe at last. Alas, the panier was to broad for the location and so I thought of a trick that you can see in Janet Arnold's "Pattern of fashion 1". Drawstringcases in the sidepannels! With their help you can draw in the width. So I had a dress less ostentatious but more appropirate for conversation and dance.
The smart gentleman at my side is a dear friend and wears a banjan made of the same fabric.
 

 Mehr Bilder der Veranstaltung / More pictures of the event:

http://munichrococo.blogspot.de/2014/04/zeilitzheim-1749.html
http://hertzwerk-freiburg.blogspot.de/2014/04/zeilitzheim-1749-lauberge-et-les-salons.html#comment-form

Dienstag, 28. Januar 2014

Goldstickerei oder broderie en rapport


Nach dem Appetithäppchen kommen nun endlich handfestere Bilder.
Ich bin dabei Goldapplikationen zu sticken die einmal auf einen Just-au-corps sollen. Im 18.Jh. nannte man das "broderie en rapport" die konnte man beim Sticker seines Vertrauens fertig erwerben und dann damit ein fertiges Kleidungsstück verzieren. Leider kann man heutzutage nicht mehr in den Laden spazieren und sich ein Motiv aussuchen und darum heißt es "selbermachen"!

After the little teaser I will now show you more substatial photos.
At the moment I'm making goldwork that shall be appliquèd to a just-au-corps one day. In the 18th century it was called "broderie en rapport", you could buy this ready-made a the embroiderer and then embellish a finished garment with it. It's  a pity that today you can't just walk into a shop and buy something like this, and therefore I have to diy.


Zunächst habe ich ein Motiv freihand gezeichnet und dann mit Kreidepapier auf Seidentaft übertragen. Die Aussenkonturen habe ich zweimal mit Japanseide nachgestickt. Mit der Japanseide hab ich nicht direkt gestickt sondern sie aufgelegt und mit einem Seidenfaden aufgestickt.

First I have freehand drawn a motiv after a painting and then traced it with chalkpaper to silktaffeta. The outsidelines I embroidered twice with couched japansilk .



Danach habe ich zwei Flächen mit Plättlahn ausgefüllt. Der Lahn wird auf der rechten Seite im engen Zickzack gelegt und jeweils in der "Ecke" mit einem Stich gesichert.

After that I filled two areas with plate. The plate is applied to the right side of the fabric in a zickzack pattern and only the "turns" are secured with a stitch of silkthread.


Nun kommt der arbeitsinensivste Teil, die Bouillionstickerei. Dafür muss erstmal eine Wattierung unterlegt werden, die größeren Flächen habe ich mit Wollfilz unterlegt die kleinen nur mit einigen Stichen gedoppeltem Seidenfaden bestickt. Der Filz muss etwas kleiner als die zu bestickende Fläche sein und an den kanten etwas abgeschrägt geschnitten werden damit nacher alles schön rund und organisch aussieht und keine harten Ecken bekommt. Danach stickt man mit den Bouillionfäden wie mit Perlen, nur mit dem Unterschied, dass man den Bouillion selbst in der gewünschten Länge zuschneiden muss, das kann recht knifflig sein, denn man ist allein auf sein Augenmaß angewiesen.

Now comes the most labourintensive part. The cantilles. Therefore you first need a padding, the bigger parts I padded with woolfelt the smaller I only padded by making some stitches with doubbled silkthread. The felt has to be a bit smaller than the actual motiv and the edges should be cut a bit round so that it all looks organic and there are no ugly angles. The cantilles are used like beads except you have to cut them to the needed size, this is quite fiddly because you only can rely on your visual judgement.

Zum Schluss wird alles noch mit Pailletten verziert, um sie zu halten wird ein kleines Stückchen Bouillion aufgefädelt.

At last everything is embellished with spangles, to hold them in place a tiny piece of cantille is threaded with them.




Montag, 20. Januar 2014

Bling Bling!

... ein kleines Appetithäppchen...

... just a little teaser...


Dienstag, 19. November 2013

Was ist ein Just-au-corps - oder warum es im 18. Jahrhundert keine Gehröcke gab

Zeitgenössische historische Bezeichnungen können verwirrend sein, vor allem bei Kleidungsstücken, wenn sie dann auch noch in der modernen Sekundärliteratur anders genannt werden ist die Verwirrung komplett.
Da mir aufgefallen ist dass auch viele erfahrene Re-Enactor und Kostümer durcheinander kommen wenn es um die, mal neutral gesprochen, Herrenoberbekleidung des 18.Jh. geht möchte ich hier versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Diese Erklärungen sind nicht in Stein gemeißelt! Auch ich kann mich mal irren und in der damaligen Zeit waren solche Bezeichnungen nicht genormt.

Contemporary terms can be confusing especially with garments, if they are called different in modern secondary sources. I recognized that even longtime re-enactors and costumers get confused with all this names and so I try to untangle this a bit.

Ich beziehe mich hier nur auf die Zeit Mitte des 18.Jahrhunderts.
I refer only to mid 18th century in this case.

Was ist also ein Just-au-corps? Dieser Begriff wird in der Szene arg strapaziert, man könnte meinen alles was Ärmel und Schäße hat müsste ein solcher sein, aber dem ist natürlich nicht so. Ein Just-au-corps hat an der gesamten Vorderkante Knöpfe bzw. Knopflöcher, er hat keinen Kragen, in der hinteren Mitte hat er Falten und entlang des hinteren Schlitzes laufen Zierknopflöcher, auch auf den Taschen und Taschenklappen hat er (Zier)Knopflöcher.
Das können locker über 50 Knopflöcher werden und die sind lang, richtig lang!

So, what is a just-au-corps? In the scene this term is so widely used that you could think everything with two sleeves and some pleats is one, but of course it is not that simple. A just-au-corps has buttons and buttonholes all along the centerfront, it has no collar and in the center back it has additional pleats and nonfunctional buttonholes from the waist to the hem. It also has nonfunctional buttonholes on the pocketflaps and cuffs. It can easily have over 50 buttonholes and these are quite long!



Hat ein ähnliches Kleidungsstück nun einen Umlegekragen und die Knöpfe nur bis zur Taille bzw. in der hinteren Mitte zwar zusätzliche Falten aber nur vier bis sechs Zierknopflöcher spricht Garsault ("L'art du tailleur" 1769)  von einem Surtout. Hier scheint es aber fließende Übergänge zu geben, so sieht man auch viele der Beschriebenen Röcke ohne Kragen.

A similar garment with a collar and with buttons and buttonholes only to waistlevel, with pleats next to the centerback but with only four to six buttonholes there is, according to "L'art du tailleur" by Garsault , called a Surtout. There seem to be garments that are only partly like this (like the example below) I don't know if they also had a distinct name.


 In vielen heutigen Quellen der Kostümkunde wird behauptet, der Frack wäre eine Weiterentwicklung des Just-au-corps. Dem möchte ich widersprechen, denn es gab beide bereits zeitgleich, Herr Garsault beschreibt den "Frock" oder "Fraque" bereits 1769 und auch schon zuvor gab es ihn in England.
Sein Charakteristikum ist dass die Falten entlang der hinteren Mitte ganz fehlen und dort nur ein Schlitz oder ein kleiner Übertritt ist, auch er hat einen Kragen.

In many modern sources they say that the frock had developed from the just-au-corps, but I want to disagree with this because they existed parallel. In 1769 France Garsault already describes it and in England it was fashionable even earlier. It's charcteristic is the lack of pleats in the centerback instead it has just a slit or a small overlap and it has a collar.






Donnerstag, 7. Februar 2013

Plan-"b"-blanket


Endlich mal wieder ein kleiner Post von mir, denn ich habe eine Decke fertig gestellt. Allerdings nicht den ursprünglichen Repro-Quilt, sondern die Plan-B-Decke... Plan B desshalb weil ich festgestellt habe, dass wir für eine Veranstaltung im März unbedingt eine Babydecke brauchen, die in einer historischen Umgebung nicht das Auge beleidigt. Damit die modernen Sachen also daheim bleiben können habe ich eine schnelle Babydecke aus Reprostoffen genäht. Mir ist klar das sie auf keinem Auge historisch korrekt ist, keiner wäre damals auf die Idee gekommen so große Stücke in einer Patchworkdecke zu verarbeiten!  (Aber es ist auch keine Museumsveranstaltung)

At last a little post from me, because I have finished a blanket. But not the original repro-quilt, instead  the "plan-b-blanket"... why plan b? Because I have realized that we needed a babyblanket, that won't look too modern for a 18th century event in march, so we can leave the modern stuff at home. I have made a quick babyblanket from repro-fabrics. I'm completely aware of that it is not historically correct at all! No one would have used such big pieces for patchwork in these days. But as I said it is just a quick solution and it is not a museum event.


Sonntag, 28. Oktober 2012

Finished first panel

Das erste Stück ist fertig! Ich scheine derzeit schon etwas wuschig zu sein, denn bei der Vergrößerung der Applikationen unterlief mir ein eklatanter Fehler sodass sie viel zu groß ausfielen, das bemerkte ich aber erst als die Herzen/Blätter in der Mitte schon aufgenäht waren... darum habe ich die Blätter weggelassen und die Sterne an eine andere Stelle gesetzt, wie gesagt, es soll ja keine exakte Kopie werden ;o)

The first panel is finished! I already seem to be a bit dizzy, while scaling the appliques I did a fault and they turned out way too big, but when I recognized it I already had sewn the hearts/leaves in the middle... that's why I did omit the other leaves and only used the stars - as I already said, it isn't meant to be an exact copy ;o)

 

Freitag, 26. Oktober 2012

A new patchwork project

 
Nachdem mein letztes Patchwork Projekt nun schon eine Weile her ist möchte ich mich mal wieder an was neues wagen. Ich habe mittlerweile (u.a. dank des holländischen Stoffmarkts) eine nette Sammlung von bedruckten Quiltstoffen nach Vorlagen oder im Stil des 18. bis Mitte 19. Jh.  Und damit die endlich mal zum Einsatz kommen muss es natürlich ein historischer Quilt werden. 

After I have finished my last patchwork project quite some time ago it is time to start a new one. I have gathered quite a nice collections of printed quiltfabrics with patterns from the 18th to mid-19th century (or at least in the style of that time) and so it shall be a historic quilt.

Mein ausgewähltes Vorbild findet sich in dem Buch "19th century embroidery techniques" von Gail March. Es ist eine Babydecke die im Jahr 1834 von einer gewissen Nancy Horsefall gemacht wurde und ich finde sie ist genau das richtige um einen neuen Erdenbürger willkommen zu heißen :-)

My choosen model can be found in the book "19th century embroidery techinques" by Gail March. It is a babyblanket made in the year 1834 by a certain Nancy Horsefall and I think it is quite the right thing to wellcome a new arrival :-)

Ich habe nicht vor eine exakte Kopie des Originals anzufertigen auch werde ich in Punkto Authentik ein paar Abstriche machen (aus Hygienegründen werde ich Polyesterwattierung verwenden) und die Asymmetrien und Ungenaukeiten des Originals werde ich auch nicht übernehmen.

I don't intend to make a exact copy of the original and I will make some shortcuts concerning authenticity ( for example I will use polyesterbatting because of hygiene) and I won't copy the asymmetries and inaccuracies of the original.

 Hier sind die ersten Schritte für das Mittelteil. Die Applikation habe ich so angefertigt wie es in dem Buch beschrieben wird, moderne Hilfsmittel wie freezerpaper hab ich weggelassen und die offenen Kanten der Motive vor dem Aufnähen nur mit der Nadel nach innen gebogen und mit dem Finger umgefalzt.

Here are the first steps for the middle panel. I made the appliques like described in the book, without modern gadgets like freezerpaper. I just did turn the open edges under with the needle and then did crease it with the finger before sewing.

 

 

Samstag, 22. September 2012

Leibrock und Weste ca. 1760

Nach einer längern Pause melde ich mich nun wieder zurück und kann auch gleich sagen, dass dies der erste von mehreren Beiträgen sein wird, der vielleicht für den ein oder anderen recht interessant sein könnte.

After a long break I'm now back and want to say that this will be the first of several postings that maybe is of some interest to you.


Anfang des Jahres war hatte ich das große Glück im Hamburgmuseum einige originale Kleidungsstücke des 18.Jh. untersuchen zu dürfen. Nocheinmal ein ganz großes Dankeschön an Frau Hildebrandt der Textilrestauratorin des Museums, dafür dass sie das ganze möglich gemacht hat!

Earlier this year I was so lucky to be allowed to examine some original clothes of the 18th century in the Hamburgmuseum. Again, I want so say thank you to Mrs. Hildebrand the textileconservator of the museum for making this possible.

Das erste Stück das ich hier vorstellen möchte ist ein Leibrock mit passender Weste aus der Zeit um 1760:
The first piece that I want to show is a suit coat with matching waistcoat from around 1760:






Oberstoff:
feines, stark gewalktes Wolltuch, leinwandbindig
Futterstoffe:
Leib: köperbindiges Streichgarngewebe (oder Wolle/Leinen-Mischgewebe), teilweise gefärbt Ärmel: mittelgrobes leinwandbindiges Leinen
Knöpfe:
Metall mit Gravur
Maße:
Rückenlänge gesamt: 104 cm, Rückenlänge bis Schlitz 50 cm, untere Rückenbreite (Knopf zu Knopf) 25 cm
Verarbeitungsdetails:
Alle äusseren Kanten des Wollstoffs wurden offen verarbeitet, teilweise etwas aufgeribbelt.
Aussenkanten wurden mit winzigen Vorstichen genäht
Oberstoff und Futter wurden seperat angefertigt, nur in den Ärmeln wurden die Nahtzugaben teilweise aufeinander fixiert.
An den Vorderkanten wurde ein 5 cm breiter Verstärungsstreifen unterlegt er wurde im Abstand von 4 cm zur Kante festgenäht.

Fabric:
fine milled wool, plain weave
Lining:
Body: twillweave worsted (maybe a wool/linnen mix), partly dyed, sleeves: plainweave linnen, medium-coarse
Buttons: 
Metall, engraved
Measures:
Backlength 104 cm, Backlength to slit 50 cm, lower back width (button to button) 25 cm
Construction details:
All outer edges of the wool are raw, partly they are a bit unraveled.
Outer edges sewn with tiny runningstitches
Fabric and lining were made up seperately only within the sleeves seam allowances are partly fixed together.
Inside the front edge, a 5 cm broad strip is sandwiched between fabric and lining, it is stitched to the topfabric 4 cm from the edge.






 

Upcycling mal anders oder aus zwei mach eins

The marriage of two dresses Im November 2015 waren wir eingeladen zu einer herrlichen Veranstaltung in einem wirklich grandiosen Gebäude...